
NRZ Mülheim an der Ruhr, 15. Oktober 2010
Stefanie Brüning
Von deutschlandweit 1,2 Millionen Demenzkranken, leben ungefähr 2000 in Mülheim. So sieht es nach einer Studie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft aus. Tendenz steigend, denn je älter die Bevölkerung wird, desto häufiger tritt die Krankheit auf. Rund zwei Drittel aller über 80-jährigen sind bereits davon betroffen, während nur weniger als 3 Prozent der unter 60-jährigen daran erkranken.
Doch wie geht man im Alltag damit um, wenn man auf demenzkranke Menschen trifft? Die Mülheimer Alzheimer Gesellschaft möchte die Bürger für das Thema Demenz sensibilisieren. Auch in ihrem Berufsalltag. So hat Peter Behmenburg von der Mülheimer Alzheimer Gesellschaft zusammen mit Elisabeth Weber vom Deutschen Demenz Servicezentrum NRW zum ersten Mal eine Schulung für Supermarkt-Personal angeboten, beim Edeka-Markt Kels in Heimaterde.
Marktleiter Felix Fischer griff Behmenburgs Angebot gerne auf, schließlich lege man Wert auf qualifizierte Mitarbeiter und auf Kundenzufriedenheit: darin sei "sein" Edeka-Markt in Heimaterde deutschlandweit führend. „Erstes Ziel ist natürlich, Waren zu verkaufen”, erklärt Fischer, „aber trotzdem ist uns auch soziales Engagement für unsere Kunden wichtig.” „Zu behaupten, dass es ein Problem mit dementen Kunden gäbe, wäre allerdings übertrieben”, sagt Fischer. Dennoch war die Resonanz auf das freiwillige Kursangebot groß. Drei Termine, angesetzt für den späten Abend zwischen 20.30 und 22.30 Uhr, wurden vereinbart. Zum ersten Kursabend sind 20 Mitarbeiter erschienen, für den zweiten Termin haben sich bereits 40 Mitarbeiter angemeldet.
Brechbohnen in Scheiben
Das Thema kommt gut an, haben doch viele der Mitarbeiter selbst Demenz-Fälle in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis. Das war auch der Grund für die Verkäuferinnen Melanie Günther und Melanie Schneppendahl, sich für den Kurs-Abend anzumelden.Aber auch im Arbeitsalltag begegnet ihnen die Krankheit: „Alle paar Wochen bediene ich eine Kundin, die an der Käsetheke 'Brechbohnen in Scheiben' bestellt", erzählt Melanie Günther. Zuerst war sie verwundert und schickte die Dame immer wieder in die Gemüseabteilung. Doch im Gespräch mit den Kolleginnen erfuhr sie, dass die Dame in Wirklichkeit Gouda kaufen möchte, und kann sie seitdem entsprechend bedienen.
Während des Kurses kamen viele Fallbeispiele zusammen und Situationen wurden im Rollenspiel geübt. Außerdem haben die Teilnehmer gelernt, wie sie auf das Verhalten Dementer reagieren sollen.
„Wenn zum Beispiel eine ältere Dame die Regale umräumt, oder jeden Tag fünf Päckchen Butter kauft, dann sollte man sie nicht direkt darauf ansprechen und möglichst nicht kritisieren”, weiß Verkäuferin Melanie Schneppendahl. Lieber die Regale einfach wieder umräumen oder dem Kunden anbieten, mit ihm durch den Laden zu gehen.
Zwar könne man oft schwer sagen, ob ein Kunde tatsächlich dement sei, oder nur „etwas dusselig”, aber durch den Kurs sind die Mitarbeiter nun sensibilisiert. Wenn die Kunden häufig ihr Geld vergessen, dann könne man sie zum Beispiel schon vor der Bestellung fragen, ob sie auch an ihr Portemonnaie gedacht hätten. Wenn Kunden tatsächlich häufig durch ihr Verhalten als möglicherweise dement auffielen, würden sich die Mitarbeiter des Supermarkts auch an die Alzheimer Gesellschaft wenden.
Doch der Edeka-Markt in Heimaterde ist eine Ausnahme. Bei anderen Geschäftsleitungen scheinen Demenz-Fälle unter den Kunden - soweit es sie gibt - noch nicht als Zukunftsthema oder gar Problem gesehen zu werden. „Wir haben zwei Millionen Kunden im Jahr, aber mir sind keine Fälle bekannt.” erklärt Gilbert Weigel, Karstadt-Geschäftsleiter im Rhein-Ruhr-Zentrum.
Auch im Edeka-Markt von Heinz-Wilhelm Paschmann spielt Demenz bisher keine große Rolle: In den letzten 15 Jahren könnte er sich nur an einen einzigen Fall erinnnern. „Eine ältere Dame hat immer zwei Eier in die Tasche gesteckt”, erinnert sich Paschmann, „und hat sie dann später wieder zurück gelegt.”
Orientierungslosigkeit
Forum-Geschäftsführer Wolfgang Pins meint: „Es gibt schon mal das Problem, dass Leute nicht wissen, wo sie hingehören”, und verweist auf den Wachdienst, der in diesen Fällen weiter hilft. Doch er erinnert sich auch selber an einen Fall. „Wir hatten auch schon mal eine Frau im Morgenmantel, die aus dem Altersheim kam.” Aber solche Fälle seien sehr seltene Ausnahmen, so Pins. Doch es ist abzuwarten, ob dies auch in den nächsten Jahren so bleibt.
WAZ Mülheim an der Ruhr, Oktober 2010
Julia Damm
Wortfindungsschwierigkeiten, situative Orientierungslosigkeit, Persönlichkeitsveränderung - wenn Fachleute dementiell verändertes Verhalten beschreiben, bleibt es abstrakt. Wenn die Mitarbeitenden des Edeka-Markts an der Kleiststraße aber berichten, wie ihnen Demenz im Berufsalltag begegnet, wird es konkret.
Von der Seniorin, die an der Käsetheke immer vier Scheiben Brechbohnen bestellt, aber Gouda meint, erzählen sie. Von einem Herrn, der an der Kasse seinen Schlüssel statt Geld abgibt und von dem Kunden, der an der Fischtheke einen Aufstand macht, weil er nicht richtig begrüßt wurde, während seine Frau peinlich berührt, daneben steht. Regelmäßig, fast täglich, passiert so etwas. Wie sie mit solchen Situationen umgehen und was Demenz bedeutet, lernten rund 30 Mitatbeitende des Markts nun bei einer Schulung, die die Mülheimer Alzheimer Gesellschaft mit dem Demenz-Servicezentrum Westliches Ruhrgebiet anbot.
„Demenz ist ein Problem, das medizinisch nicht gelöst werden kann, sondern das gesellschaftlich aufgefangen werden muss”, sagt Peter Behmenburg von der Alzheimer Gesellschaft - und fasst damit die Grundidee der Schulung zusammen. Man will aufklären, sensibilisieren, beim Umgang unterstützen.
Demenz ist ein Problem, das nicht medizinisch gelöst werden kann.
Deshalb beginnt der Schulungsabend „Demenz im Einzelhandel” mit
vereinfachter Medizin-Theorie. „Sie müssen sich das Gehirn als
einen Aktenschrank vorstellen”, erklärt Inge Klein vom Demenz-Servicezentrum
westliches Ruhrgebiet. Ein gesundes Hirn lege Informationen ordentlich ab
und könne jederzeit auf sie zugreifen. Ist man aber an Demenz erkrankt,
sterben Nervenzellen ab und damit gerät der Aktenschrank in Unordnung.
Einiges gerät in die falsche Ablage, kann aber wiedergefunden werden,
anderes geht ganz verloren. Und: „Akten die einmal weg sind, kommen
nie wieder”, sagt Inge Klein und erzählt von einer gebürtigen
Italienerin, die sich an kein deutsches Wort erinnert. „Hat man Demenz”,
sagt Peter Behmenburg, „ist man wie in seinem eigenen Film.”
Deshalb kommen Kunden im Hochsommer mit Winterjacke in den Edeka-Markt. Deshalb
kauft eine Seniorin jeden Tag Unmengen Brot. Deshalb motzt der Herr, wenn
er an der Wursttheke warten muss. „Und”, fragt Behmenburg in die
Mitarbeiter-Runde, „was machen Sie dann?” - „Ich biete ihm
eine Scheibe Wurst an”, antwortet eine Verkäuferin und handelt
damit instinktiv richtig. „Ablenken ist immer gut”, lobt der Fachmann.
Ruhig und respektvoll zu bleiben, rät er zudem, in kurzen klaren Sätzen
zu sprechen und am besten: „Machen lassen.” Wenn ein Kunde erst
den Einkaufswagen voll macht und dann die Artikel wieder wahllos in den Regalen
verteilt, „Lassen sie ihn. Wenn er weg ist, drehen Sie eine Runde und
sortieren kurz wieder zurück. Damit sparen Sie sich Nerven.” Ihn
auf sein Verhalten hinzuweisen, oder gar zurechtzuweisen, bringe nichts. Denn
auch wenn alles verschwindet, die Emotionale Kompetenz bleibt: „Über
die Gefühle finden Sie immer Zugang.”
Wichtig ist den Fachleuten, dass die Mitarbeiter die Augen offen halten, Auffälliges an sie weitergeben, damit die Fachleute sich kümmern können. Im Markt an der Kleiststraße hat man sich auf die Situation eingestellt. Einige Kunden werden am Eingang in Empfang genommen und beim Gang durch den Supermarkt begleitet. Noch ist das in Mülheim die Ausnahme. Und für die Mitarbeiter, die als Einkaufshelfer aktiv sind, hat Behmenburg einen weiteren Tipp parat: „Entscheidungen überfordern. Fragen Sie nicht, welche Milch es sein soll, packen Sie einfach welche ein.” So machten die Mitarbeiter nicht nur den Senioren das Leben leichter, sondern auch sich selbst - und dann ist das Ziel es Abends erreicht.
Alexander Neuhaus
„Über 30 Prozent der Mülheimer Einwohner sind über 60-jahre
alt”, erzählt Wilfried Cleven, Vorstandsvorsitzender des Vereins
„Mülheimer Nachbarschaft”. Das sei nicht grundsätzlich
negativ, aber man müsse damit richtig umgehen. Ein Ziel des Vereins ist
es daher, Menschen dabei zu helfen, so lange wie möglich in den eigenen
vier Wänden bleiben zu können. Dementsprechend erfreut zeigte sich
Cleven über den jüngst geschlossenen Kooperationsvertrag mit dem
Mülheimer Wohnungsbau (MWB), den „Mülheimer Ambulanten Diensten”
und der „Pflege Zuhause Andrea & Martin Behmenburg”. Das neue
Netzwerk soll vor allem helfen, Wege zu verkürzen und über den Verein
richtige Ansprechpartner zu finden. Dabei geht es der „Mülheimer
Nachbarschaft” auch darum, Leute ohne Angehörige in die Nachbarschaft
zu integrieren und ihnen so die nötigen Hilfestellungen im Alter zu geben.
„Wir möchten, dass sich die Menschen nicht nur sehen, sondern auch
kennen”, so Cleven.
Interesse daran, dass Menschen bis ins hohe Alter in ihrer Wohnung bleiben
können, hat natürlich auch die MWB. 41 Prozent der Mieter in den
4600 Objekten der MWB sind über 60. Dementsprechend hat sie sich durch
die jüngste Kooperation verpflichtet, ihren Teil zu einer altersgerechten
Wohnumgebung beizutragen. Beispielsweise in Sachen Barrierefreiheit. Dass
die Kooperation vieles erleichtert, davon ist Martin Behmenburg überzeugt.
Zum einen falle es vielen leichter, den Nachbarschaftsverein auf eventuelle
Probleme mit ihren hilfsbedürftigen Nachbarn anzusprechen, zum anderen
gebe es für alle Parteien nun direkte Ansprechpartner. Ist jemand zum
Beispiel auf der Suche nach einer zeitlich begrenzten Unterbringung, kommt
die ambulante Tochter der Mülheimer Sozialholding ins Spiel, die Mülheimer
Ambulanten Dienste. diese profitieren von den Raumkapazitäten in den
Seniorenheimen der Solzialholding.
Informationen zum Verein bei Alexandra Teinovic, Tel 308 38 69, und www.mülheimer-nachbarschaft.de
Johanna Bömken
Die alte Dame aus der Wohnung oben kommt in letzter Zeit häufig klingeln. Manchnmal auch mitten in der Nacht. Tagsüber hört man sie auffällig oft ihre Möbel verrücken. Die Nachbarn machen sich Sorgen. was können sie tun?
Peter Behmenburg von „Pflege zu Hause” berichtet von diesem Fall. Die Nachbarn seien unsicher geworden. Mit der Nachbarin stimme etwas nicht, aber da wolle man als guter Nachbar auch nichts falsch machen. In diesem Fall wandten sich die Nachbarn an den Verein Mülheimer Nachbarschaft, der „Pflegepartner” informieren konnte. Dabei kam heraus, dass die Frau nicht mehr richtig mit Medikamenten versorgt und zudem dehydriert war. Jetzt kommt zweimal am Tag jemand vorbei und kontrolliert die Medikamenteneinnahme. „Damit konnte das Problem aufgefangen werden. In diesem Fall ist es ideal verlaufen”, so Behmenburg.
Diesen Idealfall will der Mülheimer Nachbarschaftsverein jetzt zur Regel machen. Mit der Mülheimer Wohnungsbau eG (MWB), den Mülheimer Ambulanten Diensten - Teil der Mülheimer Sozialholding - und „Pflege zu Hause” wurde deshalb ein Kooperationsvertrag geschlossen. Ziel ist es, möglichst viele Menschen im eigenen Zuhause halten zu können. „Für manche ist es unvorstellbar ins Pflegeheim zu gehen”, sagt Wilfried Cleven, Vorstandsvorsitzender des Nachbarschaftsvereins. Auch wenn es in Mülheim gute Heime gebe, sei es für Angehörige eine schwierige Entscheidung. Damit die Pflege zu Hause umgesetzt werden kann, gibt es nun den Kooperationsvertrag.
Neben erfahrenen Pflegekräften bietet der Vertragspartner „Ambulante Dienste” die Möglichkeit, Patienten auch in Kurzzeitpflege aufzunehmen, wenn beispielsweise eine Frau zu Hause ihren Mann versorgt, dann aber für eine Operation kurzzeitig ins Krankenhaus muss. Die Pflegedienste sind über den Vertrag verpflichtet, innerhalb von 48 Stunden tätig zu werden, wenn ein Fall vorliegt, der geklärt werden muss. Die MWB beteiligt sich an dem Vertrag, da in den 4600 Wohnungen inzwischen 41 Prozent Über-60-jährige leben. Deshalb versucht die MWB auch, möglichst viele Wohnungen für die Zukunft barrierefrei zu gestalten. Mit der Kooperation wollten alle Vertragspartner „aus der Schwäche eine so alte Stadt zu sein, eine Stärke machen”, wie es Behmenburg formuliert. Vor allem wird die Nachbarschaftshilfe wohl haushaltsnahe Dienstleistungen, wie Unterstützung im Haushalt oder Essen auf Rädern vermitteln.
Über das schon bestehende Netzwerk in jeder Nachbarschaft sollen besonders vereinsamte Pflegebedürftige aus ihrer Isolation herausgeholt werden. Jeder Mülheimer Bürger kann sich deshalb beim Mülheimer Nachbarschaftsverein melden. Ansprechpartnerin ist Frau Teinovic, Tel. 308 38 69.
Von Lisa Stemmermann
Dass Mülheim eine der ältesten Städte Nordrhein-Westfalens ist, ist allgemein bekannt; über 30 Prozent der Einwohner sind über 60. Und so haben auch die Mülheimer Wohnungsbau eG und der Verein „Mülheimer Nachbarschaft” reagiert und jüngst einen Kooperationsvertrag mit der „Mülheimer Ambulante Dienste gGmbH” und „Pflege zu Hause Andrea & Martin Behmenburg” geschlossen.
Ziel der neuen Kooperation ist es, nicht nur junge Mieter in ihren Wohnungen zu halten, sondern auch den älteren Menschen die Möglichkeit zu bieten, möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben zu können.
Rund 41 Prozent der Mieter der Mülheimer Wohnungsbau eG, die über 4500 Wohnungen in der Stadt betreut, sind über 60, „und das sind eben genau die Menschen, die sich mit Fragen beschäftigen wie: 'Kann ich auch im Alter in meiner Wohnung wohnen bleiben?', 'Wer pflegt mich, wenn ich zu Hause bleibe statt in eine Senioreneinrichtung zu gehen?'", weiß Wilfried Cleven, Vorsitzender des Vereinsvorstands. „Unser Auftrag lautet darum, die Mieter nicht mit sozialen Fragen allein zu lassen. Wir empfinden das als soziale Verpflichtung.” Natürlich leisteten die Kranken- und Pflegekassen schon gute Arbeit, bestätigt Martin Behmenburg von „Pflege zu Hause Andrea & Martin Behmenburg”. „Unser Schwerpunkt liegt jedoch auf die Sozialarbeit. Ein Problem soll angegangen werden, bevor es zu einem richtigen Problem wird.”
Im Klartext könnte dies bedeuten: Sollte ein Nachbar auffällig werden und sich anders verhalten als vielleicht gewohnt, kann man sich beim Verein „Mülheimer Nachbarschaft” melden und dort die Situation schildern. Der Verein wiederum setzt sich mit den Pflegepartnern zusammen und vermittelt Hilfe. Das können Betreuung, Kurzzeitpflege, Essen auf Rädern oder anderes sein. „Oft ist kleine, schnelle Hilfe völlig ausreichend, das Leben einfacher zu gestalten”, spricht Dr. Yvonne Boenke vom Nachbarschaftsverein aus Erfahrung. Bei kleineren oder größeren Umbauarbeiten springt die MWB eG ein.
„Bei Neuvermietungen gucke ich von vorne herein, welche Wohnung sich - auch im Hinblick auf einen altersgerechten Umbau - eignen”, erklärt Cleven. So oder so sei man verpflichtet, die gesetzlich vorgeschriebene Barrierefreiheit zu gewährleisten.
Andere Schritte in die Richtung, mit der der steigenden Anzahl von Senioren über 60 richtig umzugehen, seien, so Cleven, der Bau von Mehrgenerationenhäusern - wie zum Beispiel am Fünter Weg oder an der Brüsseler Allee. Denn: „Für uns sind Senioren kein Problem, im Gegenteil. Es ist eine Herausforderung, auch dieser Generation ein Zuhause zu geben.” Gleichzeitig rege man ein nachbarschaftliches Miteinander an. „Wir möchten, dass sich die Menschen nicht nur sehen, sondern auch kennen.”
Weitere Auskünfte ber den Verein „Mülheimer Nachbarschaft e.V.” und die neue Kooperation erteilen Dr. Yvonne Boenke unter Tel. 3083865 und Alexandra teinovic unter Tel 3083869. Grundsätzlich kann jeder, also nicht nur Mieter der MWB eG, Mitglied im Verein „Mülheimer Nachbarschaft” werden und auf das neue Angebot zurückgreifen.
WAZ Mülheim an der Ruhr, 18. März 2010
Der erste Styrumer Aktivtag zeigte, was sich im Stadtteil bewegt und bewegen lässt, wenn viele Menschen aktiv werden
Von Thomas Emons
„Komm, wir machen eine kleine Reise“ lautete der Refrain eines Liedes, mit dem das Mülheimer Gesangsquartett Die Oldies, alias Lothar Jascheck, Werner Tintrop, Heinrich van de Genabith und Willi Düff, die Gäste des ersten Styrumer Aktivtages unterhielt. Tatsächlich konnte man bei dieser Gelegenheit im Evangelischen Gemeindehaus an der Albertstraße eine kleine Informationsreise machen, die zeigte, was Styrum zu bieten hat. Und das ist eine Menge. Wer am Samstag den Weg zu der Veranstaltung des Styrumer Netzwerkes der Generationen fand, konnte sich davon überzeugen.
Großer Andrang
Netzwerkkoordinatorin Inge Lantermann war vom Besucherandrang positiv überrascht.
Zeitweise tummelten sich bis zu 600 Menschen in den Räumen des Gemeindezentrums
an der Imanuelkirche. Lantermanns Resümee: „Das hat sich gelohnt.“
Auch Besucherin Gisela Mästriner, die sich von einer Bekannten zum Aktivtag
hatte mitnehmen lassen, war begeistert: „Man kommt mit anderen Menschen ins
Gespräch und findet auf kleinem Raum alle Informationen darüber,
was in Styrum angeboten wird. Der Aktivtag sollte auf jeden Fall fortgeführt
werden.“
An den Infoständen konnte man zum Beispiel den ehemaligen Bezirksbürgermeister
Knut Binnewerk treffen, der für die Idee eines ehrenamtlich betriebenen
Styrumer Bürgerbusses warb. Binnewerk schwebt eine Ringbuslinie vor,
die vor allem mit Blick auf die alten und nur eingeschränkt mobilen Bürger
des Stadtteils die Lücken im Bus- und Bahnnetz der Mülheimer Verkehrsgesellschaft
schließen soll.
„Dieser Bus könnte die Punkte jenseits der Oberhausener Straße
anfahren, die nicht optimal angebunden sind. Ich denke da zum Beispiel an
die Feldmannstiftung und das Schloss Styrum, also die Moritzstraße,
die Römerstraße, die Augusta- und die Neustadtstraße. Vielleicht
könnte man ja auch noch einen Schlenker zum Heifeskamp in Dümpten
fahren“, skizzierte Binnewerk seine Idee.
Mehr Mobilität
Wie oft ein solcher Bus fahren könnte, wäre natürlich abhängig
von der Zahl der ehrenamtlichen Fahrer, die man für so ein Projekt gewinnen
müsste. Im ersten Schritt will Binnewerk zunächst Mitstreiter für
einen Trägerverein gewinnen. Dann, so seine Strategie, könnte man
sich mit den Betreibern der Kettwiger Bürgerbuslinie austauschen und
anschließend erste Gespräche mit der MVG führen.
Schon jetzt leistet der Nachbarschaftsverein (NBV) an der Augustastraße
Selbsthilfe in Sachen Mobilität. Der Verein stellte beim Aktivtag seinen
bisher mit drei Autos betriebenen Fahrdienst vor, der sich vor allem an Senioren
mit kleinem Geldbeutel richtet. Für drei Euro pro Einsatz kann man sich
nach telefonischer Terminabsprache unter Tel. 37 74 98 60 in Mülheim
und seinen angrenzenden Nachbarstädten vom NBV zum Beispiel zum Einkauf
oder zum Arzt chauffieren lassen.
Die Menschen des Stadtteils zu mobilisieren, sah auch Alt-Pfarrer Meinolf
Demmel als den wichtigsten Gewinn des Aktivtages. „Hier bekommen Menschen
nicht nur Papier in die Hand, sondern lernen andere Menschen aus ihrem Stadtteil
kennen.“ Demmel stellte nicht nur die Angebote der Gemeinde-Caritas
von St. Mariae Rosenkranz, vom Seniorentreff und Seniorencafé bis zum
Sozialbüro, vor, sondern warb auch für eine neue Netzwerkbildung
in den Nachbarschaften.
Nachbarn neu entdecken
„Die Nachbarschaften sind in den Großstädten kaputt gegangen“,
bedauert Demmel und meint angesichts des demografischen Wandels: „Diese Nachbarschaftsnetzwerke,
die sich in der Vergangenheit eigentlich als das haltbarste Hilfesystem erwiesen
haben, müssen von haupt- und ehrenamtlichen Kräften neu angestoßen
werden. Darum könnten sich vor allem die Wohlfahrtsverbände verdient
machen. Denn so viele Altenheime werden wir in Zukunft gar nicht bauen können.“
Sozialarbeiter Peter Behmenburg vom gleichnamigen Pflegedienst, ein Aktivposten
des Styrumer Netzwerkes, stellte beim Aktivtag seine kostenlose Seniorenbetreuung
im Schloss Styrum vor, bei der es immer wieder donnerstags von 10.30 Uhr bis
13 Uhr darum geht, Senioren aus ihrer sozialen Isolation herauszuholen. Behmenburg
freute sich vor allem deshalb über die große Resonanz, die der
Aktivtag gefunden hat, „weil das zeigt, dass die Menschen in diesem
Stadtteil motivierbar und bereit sind, selbst mitzumachen.“ Denn das
ist in seinen Augen die Voraussetzung dafür, dass Vereine, Verbände
sowie private und öffentliche Dienstleister kooperieren und sich in ,ihren
Angeboten ergänzen können.
Wie diese Zusammenarbeit und Ergänzung in der Praxis funktionieren kann,
zeigt die nicht nur an den Infoständen beim Styrumer Aktivtag sichtbare
Nähe zwischen Nachbarschaftsverein und Diakonischem Werk, die an der
Auguststraße Sozial- und Gemeinwesenarbeiten leisten.
„Das ist eine Veranstaltung, die in den Stadtteil hineinwirkt, indem Menschen
hier Informationen über Hilfsangebote finden, die sie nicht nur selber
nutzen, sondern auch an Freunde, Bekannte, Nachbarn oder Familienangehörige
weitergeben können“, bilanzierte Susanne Münch vom Styrumer
Sozialbüro der Diakonie ihren Eindruck vom Aktivtag, bei dem sie und
ihre Kolleginnen vom Evangelischen Betreuungsverein zum Beispiel Informationen
rund um die Patientenverfügung oder zu Hilfestellungen für Familien
und junge Zuwanderer weitergaben.
Selbst aktiv werden
Wer jetzt vielleicht selbst aktiv werden möchte, kann sich bei Inge
Lantermann vom Sozialamt unter Tel. 455 50 03 oder per E-Mail an Inge.Lantermann@stadt-mh.de
weitergehend über das nicht nur in Styrum aktive Netzwerk der Generationen
informieren.
Die Styrumer Netzwerktreffen finden jeweils am vierten Dienstag des Monats
beim Styrumer Treff an der Oberhausener Straße 182 oder im Evangelischen
Gemeindehaus an der Albertstraße 86 statt.
www.muelheim-ruhr.de, 17. März 2010
Fast hätte es nicht genug Plätze in den Räumlichkeiten der Immanuelkirche gegeben: Zur großen Freude der Veranstalter folgten viel mehr Styrumer Bürgerinnen und Bürger als erwartet der Einladung der Arbeitsgemeinschaft Styrum aus dem „Netzwerk der Generationen“.

Foto: Die Frauentanzgruppe aus der Feldmannstiftung
Das bunte Programm wurde gut aufgenommen und mit Interesse verfolgt. Die
einzelnen Initiativen und Vereine stellten auf der Bühne sich selbst
und ihre Aktivitäten vor. Lebhaft wurde es bei den Vorführungen
verschiedener Turnvereine und Tanzinitiativen, aber auch, als es darum ging,
bei Buchvorstellungen aktiv mitzudiskutieren.
Beim „politischen Nachtgebet“ mit nachdenklichen Gedanken oder
den „Oldies“, einem Vokalquartett der Sonderklasse, wurde mitgedacht,
gelacht und mitgemacht.
Sowohl die ausstellenden Vereine und Initiativen als auch die zahlreichen
Besucherinnen und Besucher gaben eine begeisterte Rückmeldung. Die Aussteller
freuten sich über die rege Nachfrage und hoffen nun auf neue Mitstreiter
und Teilnehmer. Die Bürgerinnen und Bürger fühlten sich gut
informiert und nahmen die zahlreichen Anregungen gerne auf.
Vielleicht lag die Besonderheit und der Erfolg des Aktivtages eben genau darin,
dass viele der Anbieter und die Mitgestalter sich aus ihrem ehrenamtlichen
Engagement heraus ein-brachten und sich so Begegnungen von „Mensch zu
Mensch“ ergeben konnten.

(Fotos: Inge Lantermann)
Am Ende des Tages waren sich alle einig:
Auch im nächsten Jahr soll es wieder einen „Aktivtag 50 +“
geben!
Wer mehr über die Initiatoren des „Styrumer Aktivtages 50+“ wissen oder selbst mitmachen möchte, ist zu den Treffen der Arbeitsgemeinschaft herzlich willkommen:
Jeden 4. Dienstag von 15.30 – 17.00 Uhr
Beide Organisationen stellen der Arbeitsgemeinschaft Styrum ihre Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung. „Dafür an dieser Stelle noch einmal: Herzlichen Dank!“, so Inge Lantermann, Koordinatorin des Netzwerkes.
www.muelheim-ruhr.de, 24. September 2009
Die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft Heißen im "Netzwerk der Generationen" zeigen ab dem 24.Sept. an vier Donnerstagen hintereinander Präsens auf dem Marktplatz und freuen sich, wenn Marktbesucher mit Ihnen ins Gespräch kommen. Die AG möchte ein passgenaues Beratungsangebot für Heißen initiieren und benötigt dazu die aktive Mitarbeit der Heißener. Unter der Motto "Beratung und Information" können Besucher auf einer Stellwand eintragen, was sie für Informationen suchen oder welche Themen ihnen wichtig sind. Ein Veranstaltungskalender zum mitnehmen informiert über aktuelle Angebote im Stadtteil, Exkursionen zur Geschichte des Bergbaus, Oktoberfest, Musiknachmittag, Wäscheverkauf und vieles mehr. Die Veranstaltungen werden angeboten von teilnehmenden Institutionen und Vereinen der AG Heißen.

Foto: Walter Schernstein
Die Arbeitsgemeinschaft im "Netzwerk der Generationen" wirbt außerdem um aktive Mitarbeit. Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft sind Bürgerinnen und Bürger, karitative und private Dienstleister, Kirchengemeinden und Firmen aus dem Stadtteil. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung von Ideen sowie deren Umsetzung im Stadtteil und für den Stadtteil, aber auch die Möglichkeit, sich aktiv an der Gestaltung des eigenen Lebensumfeldes zu beteiligen, sich für andere zu engagieren und dabei eigene Fähigkeiten mit Spaß und Freude einzubringen. Neue Teilnehmer sind herzlich willkommen. Die AG trifft sich immer am 2. Donnerstag im Monat um 15.00 Uhr in den Räumen der Mülheimer Sozialholding, Gracht 39-43. Das nächste Treffen findet wegen des Marktstandes am 12. November statt.
Moderiert und Organisiert wird die AG vom Sozialamt der Stadt Mülheim an der Ruhr. Das Netzwerk der Generationen ist außerdem in folgenden Stadtteilen aktiv: Dümpten, Eppinghofen (Altstadt II), Saarn, Stadtmitte (Alstadt I) und Styrum.
Wer Fragen zu dem Netzwerk hat kann sich an Inge Lantermann oder Jörg Marx von der Stadt Mülheim wenden: Viktoriastr. 26-28, Telefon 455 5003 oder 455 5012.
Quelle: Stadt Mülheim an der Ruhr
WAZ Mülheim an der Ruhr, 29. Juli 2008
WAZ und NRZ suchen Helden im Alltag
Jutta Schlechtriemen spielt mit Senioren, hört ihnen zu und versucht, Einsamkeit zu vertreiben. Dienstags in Heißen, donnerstags in Styrum. Alles fing mit einem Krankenhaus-Aufenthalt an
Von Julia Damm

Hilft seit zwei Jahren alleinstehenden älteren Menschen: Jutta Schlechtriemen
(l.). Foto: WAZ, Ilja Höpping
Manchmal entsteht aus Schlechtem etwas Gutes. Wie aus dem Krankenhaus-Aufenthalt
von Jutta Schlechtriemen. Drei Wochen teilte sie sich mit zwei älteren
Damen ein Zimmer. Eine lange Zeit, in der man Einblick ins Leben der anderen
erhielt und Jutta Schlechtriemen auffiel, dass „eine Dame fast keinen
Besuch” bekam. Man kam ins Gespräch und schnell wurde klar, „dass
die Dame froh war, einfach erzählen zu können, dass jemand da war,
der ihr zuhörte”. Eine Erfahrung, die Jutta Schlechtriemen aktiv
werden ließ. Seit zwei Jahren hilft sie, alleinstehenden älteren
Menschen eine Anlaufstelle zu geben.
„Eigentlich”, sagt Jutta Schlechtriemen, „mache ich ja nicht
viel. Ich gebe nur etwas von meiner Zeit und meine Ohren.” Wie kostbar
beides sein kann, erfährt sie zweimal die Woche. Denn nachdem sie aus
dem Krankenhaus entlassen wurde, fasste die Saarnerin den Entschluss, sich
ehrenamtlich zu engagieren. „Mit Senioren” wollte sie etwas machen,
wendete sich im Dezember 2006 an das Centrum für bürgerschaftliches
Engagement (CBE) und wurde von den Mitarbeitern an Peter Behmenburg vermittelt.
Der Pflegedienst der Familie hatte bereits einen Treff für einsame Senioren
auf der Heimaterde ins Leben gerufen, wollte nun einen zweiten in Styrum einrichten.
Seitdem ist Jutta Schlechtriemen dort im Einsatz. Dienstags vormittags fährt
sie nach Heißen, donnerstags nach Styrum. Spiele stehen dort immer auf
dem Programm. „Wer wird Millionär?”, zum Beispiel oder „Stadt,
Land, Fluss”. Das Gemeinsame wird so gefördert und zum Nachdenken
angeregt — doch vor allem wird dort lang „ganz viel erzählt”.
Nur Frauen sind es, die in der Friedenskirche am Sunderplatz und ins Schloss
Styrum kommen, ihre Männer sind bereits verstorben, die
Kinder leben häufig weiter weg. „Man kommt den Menschen in den
Gruppen sehr nahe und erfährt viel aus ihrem Leben.” Aus der Vergangenheit
ebenso wie aus der Gegenwart: Krieg und Krankheiten sind Themen, aber auch
Familien und Fernsehen. „Die alten Letue haben so viel erlebt —
auch Dinge, die wir zum Glück nicht erleben mussten.” Ihren Einsatz
sieht die 51-Jährige ein wenig als „Entschädigung dafür.
Man darf und kann Senioren nicht einfach in die Ecke stellen und vergessen.”
Ein wichtiger Termin sind die Treffs für die Teilnehmerinnen, weiß
Jutta Schlechtriemen. „Arzttermine werden beispielsweise so gelegt,
dass man zur Gruppe kann.” Das gilt auch für die Ehrenamtlerin,
die sich selbst immer auf die Vormittage freut. „Es kommt so viel zurück.
Auch für mich ist das eine Bereicherung”, betont sie und gesteht:
„Ich bin ein Mensch, der andere gerne in den Arm nimmt und drückt.”
Nähe und Wärme fehlten vielen.
NRZ Mülheim, 20. April 2008, Johanna BÖMKEN
SOZIALES
„Keinen Respekt mehr, die Jugend von heute!”. Irgendwo hat diesen Satz jeder schon gehört. Ob berechtigt oder nicht, spielt keine Rolle. Jugendliche und Senioren, das sind zwei Fronten, die sich zu verhärten drohen. Manchmal meint man, das einzige, was Jung und Alt vereint ist die Überzeugung: Wir kriegen zu wenig und die anderen sind es schuld. Aber zum Glück denken nicht alle so. Ein Beispiel: Franz Sula, 16 Jahre, hat am Samstag gekocht. Zusammen mit acht Mitschülern stand er am Herd der Senioreneinrichtung Haus Kuhlendahl und bereitete für die Bewohner einen warmen Kartoffel-Endivien-Salat mit dreierlei Fleischbeilage zu. „Seit 10 Uhr sind wir hier, aber das frühe Aufstehen hat sich gelohnt”, erzählt der Schülersprecher des Gymnasiums Heißen. Die Acht- bis Zehntklässler der Schule haben schon viel Erfahrung mit der Seniorenarbeit, viele von ihnen engagieren sich ehrenamtlich bei einem Besuchsdienst für ältere Menschen, aber in der Küche des Hauses Kuhlendahl stehen sie zum ersten Mal. Viel Vorbereitung war dafür notwendig, doch mit der Mülheimer Sozialholding, dem Pflegedienst Behmenburg und dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) schaffte man es zum Start der ARD-Aktionswoche zum demografischen Wandel das Essen für die Senioren zu organisieren. „Wir wollen damit die Angst der Senioren vor Jugendlichen abbauen”, erzählt Wojciech Brzeska, Pressesprecher der Sozialholding. Schülerin Melisa hat das Gefühl, dass das auch geklappt hat: „Am Anfang waren wir noch ein bisschen nervös, aber die Senioren sind alle ganz begeistert. Viele sind auch überrascht, dass wir so etwas machen.” Diesen Eindruck bestätigt auch Bewohnerin Christel Dtcamdl: „Ich kenne zwar das Essen gar nicht, was gleich serviert wird, aber ich finde es wunderbar, dass wir hier zusammen essen können und etwas gekocht kriegen.” Um halb eins müssen sich schnell noch alle zwischen Frikadellen, Panhas und Bratwurstschnecke entscheiden und wenige Minuten später bringen die Schüler die gewünschten Gerichte an die bunt dekorierten Tische. Das gemeinsame Mahl beginnt. Und auch wenn man einige ältere Herren flüstern hört, dass die Endivien nicht knackig genug seien, finden während des Essens doch alle Schüler und Senioren wieder etwas, worin sie sich einig sind: Es schmeckt und gemeinsam essen macht jede Menge Spaß.
WAZ Mülheim, 25. Oktober 2007

Jeden Freitag freuen sich Maike und Melisa (r.) nach der Schule auf den Spiele-Nachmittag
bei Gerharda Vanscheidt.
Foto: WAZ, Christian Schiebold
Von Kristina Mader
Auf ihre beiden Mädels lässt Gerharda Vanscheidt nichts kommen.
„Ich freu mich die ganze Woche darauf, dass sie vorbeikommen“,
lacht die 81-Jährige. Jeden Freitag schellen Maike und Melisa (15) an
der Tür, kommen, um Mikado und Mensch ärger dich nicht mit der Seniorin
zu spielen, gehen ab und zu für sie Einkaufen und erzählen Geschichten.
Aber vor allem sind sie da, um zuzuhören, Gesellschaft zu leisten. Ehrenamtlich.
Denn die Schülerinnen des Gymnasiums Heißen nehmen seit April an
einem Pilotprojekt teil, bei dem sich Jugendliche um ältere Menschen
im Stadtteil kümmern. Schon bald sollen bis zu 100 Schüler mitmachen.
Nur die Senioren fehlen noch. Unterstützung bekommen sie dabei vom Centrum
für bürgerschaftliches Engagement (CBE), dem Pflegedienst Behmenburg
„Pflege zu Hause“ und der „Arbeitsgemeinschaft 60 plus“.
Maike und Melisa waren Gerharda Vanscheidt von Anfang an sympathisch. Doch
so glatt lief es nicht bei jedem der Jugendlichen. „Viele ältere
Menschen haben Ängste gegenüber jungen Leuten“, weiß
der 15-jährige Franz Sula. Daher entschlossen sich die Schüler,
aktiv zu werden und die Scheu zwischen den Generationen zu überwinden,
Ängste abzubauen.
Im Moment betreuen sechs Gruppen, also 14 Schüler, sieben Senioren, bald
soll das Projekt ausgeweitet werden, auf die Jahrgangsstufen sieben bis zehn.
„Über 100 Schüler haben schon Interesse gezeigt“, weiß
Franz. Vor zwei Jahren kam den Jugendlichen in der Schülervertretung
die Idee, ein Sozialprojekt in der Umgebung zu starten, älteren Menschen
zu helfen, als Gesellschafter sozusagen.
„Es macht Spaß, Zeit mit älteren Leuten zu verbringen“
„Wir haben Flyer ausgeteilt, Plakate geklebt, aber leider kaum Rückmeldungen
bekommen.“ Schließlich kam Kontakt zum CBE zu Stande, das sich
um die Vermittlung ehrenamtlicher Helfer kümmert. „Und wir haben
schließlich den Kontakt zum Pflegedienst hergestellt“, sagt Andrea
Hankeln, Leiterin des CBE. Im Juni haben Lehrer und Schüler dann ein
Wiesenfest organisiert, zu dem alle älteren Anwohner der Heimaterde eingeladen
waren. „So haben sich die ersten positiven Kontakte ergeben“,
erinnert sich Franz.
Gemeinsam mit dem Pflegedienst gingen die Schüler zu älteren Leuten
in der Nachbarschaft und lernten sie so langsam kennen. „Dabei übernehmen
die Jugendlichen keine pflegerischen Aufgaben, sondern leisten nur Gesellschaft,
erledigen kleine Dinge für sie“, erklärt Sozialarbeiter Peter
Behmenburg von „Pflege zu Hause“. Er begleitet die Schüler
zu den älteren Menschen, hilft beim Kennenlernen, vermittelt und bespricht
in regelmäßigen Sitzungen, wie‘s läuft — als Feedback
für die jungen Gesellschafter. Mal beim Einkauf helfen, Spazieren oder
mit dem Hund Gassi gehen — viele Ältere sind dankbar für die
Entlastung. Für ihr ehrenamtliches Engagement bekommen die Jugendlichen
zum Abi nicht nur ein Zeugnis, sondern auch eine Mappe, in dem alle sozialen
Aufgaben stehen, die sie neben dem Unterricht geleistet haben. „Ein
gutes Kriterium für Bewerbungen“, weiß Schulleiterin Marion
Krallmann. „Doch das ist nicht der Grund warum wir beim Projekt mitmachen“,
meint Franz. „Sondern weil‘s Spaß macht, Zeit mit Älteren
zu verbringen.“
» Interessierte Senioren können sich bei der „Pflege zu Hause“ unter Tel. 49 30 66 melden.
WAZ Mülheim, August 2007
Die Mülheimer werden immer älter - damit nimmt auch
der Bedarf an gesetzlicher Betreuung für Menschen mit Altersverwirrtheit
zu. Der Förderverein für Erwachsenenbetreuung nimmt sich diesem
Thema an und läd zum Fachgespräch am Montag, 3. September, 18 Uhr
ins Senioren- und Pflegezentrum Bonifatiushaus, Hingberg 61-68. Die Besucher
werden über Demenzerkrankungen informiert und lernen u.a. zehn Grundregeln
im Umgang mit Erkrankten. Das Gespräch richtet sich nicht nur an Pflegepersonal
und Betreuer, sondern an interessierte Bürger.
Als Fachleute wurden Gerd Weinfurther von der Alzheimer Selbsthilfegruppe,
Peter Behmenburg von seiner Sozialstation und Berufsbetreuer Bernd Tetera
gewonnen. Die Teilnehmer können zudem ihre persönliche Gedächnisleistung
anhand eines Testes überprüfen. Die Teilnahme ist kostenlos. Informationen
unter Tel. 486026 (Bernd Tetera).
NRZ Mülheim, 31. August 2007

Beispielhaftes Miteinander von Jung und Alt (v. l.): Melissa Dietrich (15),
Gerharda Vanscheidt (81) und Maike Bülow (15). (Foto: Monika Kirsch)
JACQUELINE SIEPMANN
Vor zwei Jahren hatten die Schüler des Gymnasiums Heißen eine großartige Idee: Sie wollten sich um ältere Menschen in der Umgebung kümmern, ihnen beim Einkaufen helfen, mit ihnen plaudern, ihren Hund ausführen. So was in der Art. Freiwillig und ehrenamtlich. Deshalb legten sie Zettel in Apotheken und im Supermarkt aus und klebten sie an Laternen, um ihre Idee bekannt zu machen und so interessierte Senioren anzusprechen. Ohne Erfolg. Niemand meldete sich. Die tolle Initiative der Jugendlichen drohte schon im Sande zu verlaufen, als sie eine glückliche Fügung mit dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) zusammenführte. Das sagte sofort Unterstützung zu und brachte überdies den ambulanten Pfiegedienst „Pflege zu Hause”, der sich bereits bei Projekten des CBE engagiert, als Vermittler und Berater ins Spiel. So konnte im März eine Pilotgruppe aus 13 Schülern an den Start gehen, die sich, angeleitet von Sozialarbeiter und Pflegedienstmitarbeiter Peter Behmenburg, um sechs Seniorinnen kümmert. Dabei gibt es für die Schüler ein klares Regelwerk: sie müssen sich für mindestens ein halbes Jahr verpflichten und arbeiten grundsätzlich im Team. Regelmäßig besprechen und reflektieren sie mit Peter Behmenburg ihre Erfahrungen. Warum das Ganze? „Weil wir mit dem Bild, das heute oft von Jugendlichen gezeichnet wird, nicht zufrieden sind. Wir wollen zeigen, dass Jugendliche anders sind, als viele ältere Menschen meinen”, sagt der 15-jährige Franz Sula, einer der Initiatoren des Projekts. Die Schule honoriert das ehrenamtliche Engagement in einem Portfolio, das dem Zeugnis beigefügt ist, und die Sozialkompetenz der Schüler dokumentiert.
„Auf die beiden Mädels lass ich nix kommen”
Eine der betreuten Seniorinnen ist Gerharda Vanscheidt. Die 81-Jährige
war bis vor einigen Jahren in Vereinen, beim CVJM und in der Kirche aktiv.
Inzwischen ist sie gehbehindert und kommt kaum noch raus. Da tut Abwechslung
gut, vor allem, wenn Besuch sonst eher rar ist. Seit einem halben Jahr kommen
Maike und Melisa einmal in der Woche nachmittags vorbei, unterhalten sich
mit Frau Vanscheidt, erledigen schon mal Einkäufe, aber vor allem wird
gespielt: Mikado, Mensch ärgere dich nicht... „Herrlich ist das”,
sagt Gerharda Vanscheidt. „Da freue ich mich schon die ganze Woche drauf.
Auf die beiden Mädels lass ich nix kommen.” „Und uns macht
das auch super Spaß”, sagen die beiden 15-Jährigen. Dabei
waren alle beim ersten Besuch sehr aufgeregt, Frau Vanscheidt hatte eine Torte
serviert und wollte den Besuch nicht gehen lassen, bis alles aufgegessen war.
In diesem Schuljahr soll das Projekt am Gymnasium Heißen weiter ausgebaut
werden 100 Schüler aus den Klassen 7 bis 10 haben sich gemeldet jetzt
werden weitere interessierte Senioren gesucht. Bei einem Sommerfest vor den
Ferien wurden im Stadtteil weitere Kontakte geknüpft, unter anderem zu
Senioren aus einer benachbarten Kirchengemeinde. Eine ältere Dame zum
Beispiel wird in den kommenden Monaten nun von zwei Schülern in die zu
Hause Internetnutzung eingewiesen.
Auch die AG 60 plus der SPD Heißen zeigte sich spontan begeistert, lud
die Initiatoren bereits zum Gespräch ein und will das Projekt in ihren
Reihen bekannt machen.
• Interessierte Senioren können unter Tel: 493066 Kontakt aufnehmen.
Der Wunsch, im Alter möglichst lange in den eigenen vier Wänden
leben zu können, kann an Kleinigkeiten scheitern: Wer kauft ein, wer
erledigt kleine Reparaturen, wer besorgt Medikamente, wer schleppt den Kasten
Sprudel in die zweite Etage? Diese und weitere Dienste bietet ab sofort der
ambulante Pflegedienst „Pflege zu Hause” von Andrea und Martin
Behmenburg an. „Betreutes Wohnen zu Hause” haben sie ihr Angebot
genannt.
Das reicht von der kostenlosen Beratung und Hilfe beim Schriftverkehr mit
Ämtern und Krankenkassen über einen regelmäßigen Besuchsdienst
(inklusive Getränkeservice und Übernahme der Notfallbereitschaft)
bis hin zu Wahlleistungen wie Haushaltshilfe, Fußpflege und so weiter.
Die Kosten: Für den regelmäßigen Besuchsdienst (45 Minuten
einmal in der Woche) muss der Kunde 85 Euro im Monat zahlen. „Hier geht
es nicht um Putzdienste, sondern um Dinge wie vorlesen oder Gespräche
führen”, so Martin Behmenburg, der sich vor 15 Jahren mit seinem
ambulanten Pflegedienst selbstständig machte. Für Saskia auf der
Heiden vom Sozialamt ist das „Betreute Wohnen zu Hause” eine sinnvolle
Sache. „Der Bedarf ist da”. Bei entsprechenden Voraussetzungen
übernimmt das Sozialamt auch die Kosten. Und die liegen deutlich unter
denen eines Heimplatzes.
Und wer ist der Betreuer? Über die Paritätische Initiative für
Arbeit (PIA) werden die Behmenburgs eine Stelle einrichten. Sollte das Angebot
auf reichlich Nachfrage treffen, würden auch weitere Personen eingestellt.
(hell)
Nähere Informationen unter Tel. 49 30 66.
Von Annette Lehmann
Die eigene Wohnung zu behalten, ist für viele ältere Menschen ein
dringender Wunsch. Auch, wenn es für sie schwieriger wird, Kontakte nach
außen zu pflegen und Alltagsdinge zu erledigen. Um ihnen den Umzug von
der vertrauten Adresse in eine spezielle Einrichtung zu ersparen, bietet der
private Pflegedienst von Andrea und Martin Behmenburg ab sofort „Betreutes
Wohnen zu Hause” an. Dinge, die bislang kaum zu vereinbaren waren.
Drei abgestufte Arten von Verträgen haben sie entwickelt: Ein „Servicevertrag”,
übrigens kostenlos, umfasst Beratungen z.B. bei der Wohnungsanpassung,
zu Versorgungs- und Freizeitangeboten oder bei Anträgen aller Art.
Wer einen „Betreuungsvertrag” schließt, zahlt pauschal 84,89
Euro pro Monat, dafür übernimmt der Pflegedienst zum einen die Notfallbereitschaft
des Hausnotrufdienstes und verwahrt einen Schlüssel zur Wohnung. Zum
anderen sichert sich der Kunde einen wöchentlichen Besuchsdienst, für
den etwa 45 Minuten angesetzt sind. „Der Betreuer soll nicht im Haushalt
helfen oder Putzfrau sein”, so Martin Behmenburg, „sondern sich
mit dem Menschen auseinandersetzen, spazierengehen etc. Hier ist persönliche
Zuwendung vertraglich fixiert.”
Wer noch weitergehende Betreuung benötigt, kann aus einem Katalog kostenpflichtiger
Leistungen wählen, die vom Mittagessen (buchbar für 3 bis 4 Euro
pro Portion) über die Besorgung von Medikamenten bis zur Fußpflege
reichen, wobei teilweise Fachbetriebe hinzugezogen werden.
Die Behmenburgs, beide berufserfahrene Krankenpfleger, haben bereits 1992
ihren ambulanten Dienst „Pflege zu Hause” gegründet, der
in Heimaterde sitzt und einer der ersten in Mülheim war. Rund 40 Mitarbeiter
beschäftigt ihre Firma heute: neben Pflegekräften auch zwei Sozialarbeiter.
Mit dem neuen Modell verfolgen sie das ehrgeizige Ziel, außer dem gesamten
Stadtgebiet auch angrenzende Bezirke von Essen, Duisburg und Oberhausen zu
bedienen.
Ihre Idee könne auch für die Wohnungsbaugesellschaften
interessant sein, meint Martin Behmenburg. Er denkt an den seniorengerechten
Umbau bestehender Wohnungen, um Leerstände zu vermeiden.
Bei der Vorstellung des Projektes war auch Saskia auf der Heiden anwesend,
Pflegefachkraft beim Sozialamt. Die monatlichen Betreuungskosten von knapp
85 Euro können nämlich im Rahmen der Grundsicherung übernommen
werden. „Nach Bedarfsfeststellung”, so auf der Heiden, gelte dies
auch für Pflegekosten, etwa eine Haushaltshilfe.
Das „Betreute Wohnen zu Hause” ist aus ihrer Sicht „schon
eine Innovation, weil die Leute in ihrer häuslichen Umgebung bleiben”.
Neu sei auch das angebotene Paket mit wöchentlichen Besuchen:
„Oft vereinsamen die älteren Menschen völlig — wir hoffen,
dass es durch dieses Angebot vermieden werden kann.”
„Pflege zu Hause; A. u. M. Behmenburg” stellt neues Projekt für „Wohnen im Alter” vor.
„In zahlreichen Beratungssituationen äußern viele aktive Senioren den Wunsch nach Wohnformen, die ihnen auch im Fall von Pflegebedürftigkeit noch ein hohes Maß an Selbstständigkeit ermöglichen.” berichtet Martin Behmenburg, Inhaber von „Pflege zu Hause”. Im Vordergrund steht das Bedürfnis nach Sicherheit und nach Vorsorge für den Notfall oder gar das Eintreten von Pflegebedürftigkeit.
Für diesen Personenkreis hat „Pflege zu Hause” ein Konzept des Betreuten Wohnens zu Hause entwickelt, das den Verbleib in der eigenen Wohnung ermöglicht und somit den erhöhten Aufwand durch einen Umzug vermeiden hilft, während der Bezug zum gewohnten Umfeld, den Nachbarn und Freunden erhalten bleibt.
Das Angebot sieht einen umfangreichen Betreuungsservice in drei Vertragsstufen vor:
„Wir können uns vorstellen, dass dieses Angebot auch für die großen Wohnungsbaugesellschaften in Mülheim interessant sein könnte.” meint Behmenburg. Diese setzen angesichts der demografischen Entwicklung auf Vermeidung von Leerständen durch die Umgestaltung des vorhandenen Wohnraums als Alternative zum Neubau spezieller Wohnformen.
Unter entsprechenden Voraussetzungen ist das Sozialamt der Stadt Mülheim an der Ruhr zur Kostenübernahme im Rahmen der Hilfe zum Lebensunterhalt bereit.
Einladung zur Pressekonferenz am 01.08.07
Pflege zu Hause A. & M. Behmenburg
Sunderplatz 3
45472 Mülheim an der Ruhr
Sehr geehrte Damen und Herren!
Neun Monate, nachdem wir unser gemeinsames Projekt „Seniorenbetreuung im Schloß Styrum” mit dem CBE e.V. und dem Sozialamt der Stadt Mülheim an der Ruhr erfolgreich installierten, wollen wir Ihnen unser neues Konzept „Betreutes Wohnen zu Hause” vorstellen.
Zahlreiche Anfragen in unserer Sozialberatungsstelle zeigen, dass viele Senioren,
die aktiv und noch keineswegs hilfe- oder pflegebedürftig sind, sich
eine betreute Wohnform wünschen.
Allerdings scheuen sie häufig den Umzug in eine andere, oft kleinere
Wohnung und vor allem die Veränderung des lokalen und sozialen Umfeldes.
Deswegen haben wir im Austausch mit dem Sozialamt der Stadt Mülheim an
der Ruhr ein Angebot entwickelt, das dem Wunsch nach Verbleib in der eigenen
Wohnung entspricht und zudem auch für die Wohnungswirtschaft in Mülheim
an der Ruhr von Interesse sein dürfte.
Nach kurzer Vorstellung der Konzeptes möchten wir uns gerne Ihren Fragen stellen. Um auch für Ihr leibliches Wohl sorgen zu können, bitten wir um kurze Rückmeldung bis zum 31.07.07.
Mit freundlichen Grüßen
Martin Behmenburg
WAZ Mülheim, 8. März 2007
(...)
Den zweiten Themenschwerpunkt des Abends bildete die Seniorenarbeit. Die
Teilnehmer der Stadtteilviertelkonferenz bekamen die neue und kostenlos ausliegende
Broschüre "Angebote für 55 plus" überreicht, in der
bis jetzt 60 Aktivitäten und Ansprechpartner für ältere Styrumer
dokumentiert sind. Ergänzende
Hinweise nehmen die Feldmannstiftung an der Augustastraße 108 und das
Centrum für bürgerschaftliches Engagement CBE an der Friedrichstraße
9 jederzeit entgegen. Ein neues Angebot für Styrumer Senioren, die von
der offenen Seniorenarbeit nicht erreicht werden konnten, stellte Peter Behmenburg
vom Pflegedienst "Pflege zu Hause" vor.
Seit Dezember betreut der Pflegedienst in der Seniorentagesstätte im
Schloss Styrum eine für alle Interessierten offene Gruppe ältere
Bürger, die ihrer drohenden Vereinsamung entgegenwirken und gleichzeitig
etwas für ihre geistige Fitness tun wollen. Die zurzeit sechs Teilnehmer
treffen sich donnerstags von 10.30 Uhr bis 13.30 Uhr.
Sie trinken nicht nur gemeinsam Kaffee und tauschen sich aus, sondern trainieren
mit Gehirnjogging und Wortfindungsspielen auch ihre grauen Zellen. Wer möchte,
kann mittags in der geselligen Runde eine von der Schlossgastronomie für
sechs Euro angebotene Mahlzeit zu sich nehmen. Behmenburg konnte bei seinem
Vortrag auf die positiven Erfahrungen verweisen, die man mit einem vergleichbaren
Angebot seit zehn Jahren in Heißen gesammelt habe.
Es zeige sich, so Behmenburg, dass der Verfallsprozess alter Menschen durch
ein solches psychosoziales Angebot deutlich verlangsamt werden könne.
Der donnerstägliche Seniorenstammtisch, für den die Stadt ihre Räumlichkeiten
bereitstellt, wird nicht nur von einem Mitarbeiter des Pflegedienstes, sondern
auch von einer ehrenamtlichen Helferin betreut, die durch das CBE gewonnen
werden konnte. (T.E.)
(...)
WAZ/NRZ Verlagssonderveröffentlichung
Mülheim, 7. Dezember 2006
AMBULANTE PFLEGE. Andrea und Martin Behmenburg setzen
auf persönliche Betreuung.
1992 entschlossen sich Andrea und Martin Behmenburg aus dem stationären
Bereich auszusteigen und den ambulanten Pflegedienst "Pflege zu Hause"
zu gründen. Mit der klaren Vorstellung, die Patienten ganzheitlich zu
versorgen. Das bezieht sich nicht nur auf die Erkrankung, sondern auch auf
das soziale Umfeld, die Gewohnheiten und Vorlieben jedes einzelnen Menschen.
Und diese Vorstellung haben die beiden KrankenpflegerInnen auch in die Tat
umgesetzt.
Schnell wurden Sozialarbeiter eingestellt, die die Patienten zum Beispiel
bei Behördengängen unterstützen. Heute sind rund 40 Mitarbeiter
beschäftigt, hinzu kommen Zivildienstleistende, die von der Zentrale
am Sunderplatz 3 aus die Menschen versorgen. Eine Filiale wurde an der Barbarastraße
in Dümpten gegründet.
Zum Leistungsangebot gehören die Grundpflege mit unter anderem Hilfe
bei der Körperpflege, die Behandlungspflege (Spritzen, Verbänden
sowie Port- und Stomaversorgung), Beratungsbesuche, Verhinderungspflege zum
Beispiel im Urlaub des pflegenden Angehörigen sowie Beratung und Schulung
der Angehörigen vor Ort. Zur Leistungspalette gehören zudem ein
Hausnotrufdienst, die Seniorenbetreuung, eine Angehörigengruppe sowie
die Erledigung von hauswirtschaftlichen Tätigkeiten.
Auf Wunsch werden auch Dienstleistungen wie der rollende Mittagstisch, Fußpflege
zu Hause, Frisör und vieles mehr vermittelt.
Natürlich ist der Pflegebetrieb auch TÜV-zertifiziert, erst gerade
haben die Prüfer den Betrieb unter die Lupe genommen. Und kommen zu folgendem
Ergebnis: "Die Akzeptanz in Bezug auf die Pflegekräfte ist sehr
groß, vor allen Dingen deshalb, weil der Pflegedienst auch einen personalen,
konstanten Bezug zum Patienten herstellt und gewährleistet, indem möglichst
immer die gleichen Mitarbeiter zu den Patienten geschickt werden. Das Interesse
zu helfen, wird in jeder Hinsicht bejaht."
Zudem berücksichtigt "Pflege zu Hause" bei der Auswahl und
Einstellung neuer MitarbeiterInnen sehr bewusst kundenorientierte Merkmale.
Jederzeit ist jemand persönlich erreichbar, effektive Hilfe ist so ständig
gewährleistet. "Die MitarbeiterInnen des Pflegedienstes werden von
den Patienten und ihren pflegenden Angehörigen stets als freundlich wahrgenommen",
ergänzt der TÜV.
Zusätzlich haben Andrea und Martin Behmenburg am Sunderplatz 3 eine Seniorentagesstätte
gegründet, in der ältere Menschen sinnvoll bechäftigt werden.
Infos: 49 30 66.

Das Team von "PfIege zu Hause" setzt auf individuelle Betreuung

Andrea und Martin Behmenburg

In der Seniorentagesstätte trifft man sich auch zum netten Gespräch
Erfolgreiches Heißener Angebot für Senioren jetzt auch in Styrum
Vor genau zehn Jahren startete der Pflegedienst "Pflege zu Hause" in Heißen mit einem Angebot für allein stehende ältere Menschen: Verbunden mit einem Mittagessen treffen sich einmal die Woche Seniorinnen und Senioren in den umgebauten Räumlichkeiten der ehemaligen Altentagesstätte. Gemeinsam machen sie Denksport oder Bewegungsübungen, trinken Kaffee und schließen neue Kontakte. "Gemeinschaft macht Freunde und gibt neue Kraft für den Alltag", davon ist Martin Behmenburg, Geschäftsführer des Pflegedienstes, nach den guten Erfahrungen überzeugt.
Ein erfolgreiches Modell, das jetzt auch in Styrum mit Kooperationspartnern umgesetzt wird. Gemeinsam mit der Seniorenberatung der Stadt Mülheim und dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) startet dieses Angebot am Donnerstag, 7. Dezember, im Schloß Styrum. Der Pflegedienst "Pflege zu Hause" übernimmt die Personalkosten für die fachliche Begleitung der Seniorengruppe. Die Stadt Mülheim stellt die Räumlichkeiten zu Verfügung und trägt die anfallenden Sachkosten. Das Centrum für bürgerschaftliches Engagement vermittelt Ehrenamtliche‘ die mit Handreichungen und musikalischer Unterstützung das Programm im Schloß Styrum abrunden.
Diese Zusammenarbeit ist das Ergebnis einer vom CBE ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe,
die im Rahmen eines von der Europäischen Union und dem Bundesministerium
für Arbeit und Soziales geförderten EQUALProjektes die Stärkung
von Selbsthilfe und Ehrenamt älterer Menschen zum Ziel hat.
Wer an den Treffen teilnehmen möchte, kann sich bei der Seniorenberatung
der Stadt Mülheim, Herrn Holger Förster, unter der Telefonnummer
0208-455-5059 informieren. Wer sich ehrenamtlich einbringen möchte, sollte
sich bei der Seniorenberatung oder beim CBE melden.
Pressekontakt:
Dr. Jörg Ernst — CBE-Projektleiter „Selbsthilfe und Ehrenamt älterer
Menschen“
Tel.: 0208-97068-12
NRZ - Mülheim - Nachrichten, 30. November 2006
SOZIALES. Die Stadt, das CBE und „Pflege zu Hause“ starten in Styrum ein Seniorenprogramm, dass sich in Heißen schon bewährt hat.
Die Einsamkeit ist gnadenlos. Wie ein Bazillus nistet sie sich in den Seelen der Menschen ein, wenn der geliebte Partner stirbt, die Kinder in eine andere Stadt ziehen oder der altverbundene Freundeskreis auseinanderbricht. Neue Freunde zu suchen, ist nicht einfach, besonders dann, wenn man schon älter ist. Man kann auch nicht mehr so wie früher, und die Vorstellung, auf fremde Leute zuzugehen, erfüllt viele Menschen mit Scham. Am Ende bleiben sie allein. Um diesen Menschen zu helfen, haben sich die Seniorenberatung der Stadt, das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) und "Pflege zu Hause" zusammengeschlossen, um ab nächster Woche im Schloss Styrum ein Projekt in Gang zu setzen, das in Heißen schon seit zehn Jahren erfolgreich läuft. Dort startete der Pflegedienst "Pflege zu Hause" der Brüder Martin und Peter Behmenburg im Jahre 1996 mit einem Programm gegen das ungewollte Alleinsein. Denn, "viele Leute sind weniger pflegebedürftig als vielmehr vereinsamt", erklärt Peter Behmenburg. Erst daraus resultiere der Orientierungsverlust, bei dem viel zu schnell von Altersdemenz gesprochen werde. Dazu gehöre auch der Umstand, nicht mehr für sich und sein Äußeres Sorge zu tragen.
Noch nicht in ganz Mülheim
Um dem entgegenzuwirken, treffen sich in den Räumen der ehemaligen Altentagesstätte alleinstehende ältere Menschen und verbringen unter fachlicher Begleitung den Tag miteinander. Ab 10 Uhr stehen dann Gedächtnistraining, Rechen- und Bewegungsspiele und das Knüpfen neuer Kontakte sowie ein gemeinsames Mittagessen auf dem Programm, ehe sie um 13.30 Uhr von Familienangehörigen abgeholt oder von einem Transportservice nach Hause gebracht werden. Und das Konzept ist höchst erfolgreich: "Mehr als 16 Senioren können wir leider nicht aufnehmen", erklärt Martin Behmenburg, alles andere ginge an die Effizienz eines solchen Programms. Daher gibt es in Heißen schon lange eine Warteliste.
Ähnlich erfolgreich soll das Konzept in Styrum werden, auch wenn alle Beteiligten beim ersten Termin am Donnerstag, 7. Dezember, zunächst mit sechs bis sieben Teilnehmern rechnen. Der Pflegedienst übernimmt die Personalkosten für die fachliche Begleitung, die Stadt stellt den Raum im Schloss zur Verfügung, die dortige Gastronomie sorgt für das Essen und das CBE vermittelt Ehrenamtliche, die den Tag unterhaltend, zum Beispiel mit Musik, ergänzen. Für die Senioren fallen dann nur die Kosten für das Mittagessen und, bei Bedarf, der Transportservice an.
Noch gibt es das Konzept nicht in der gesamten Stadt, "aber", fragt CBE-Projektleiter Jörg Ernst: „wenn der Bedarf da ist, warum nicht?"
30.11.2006 PHILIPP ORTMANN
WAZ - Mülheim - Nachrichten, 30. November 2006
Seniorentreff nach Heißener Vorbild ab nächster Woche auch im Schloss Styrum
Toni Retweiler ist eine adrette alte Dame. Die Kleidung sitzt korrekt, ihre
Haare sind ordentlich frisiert. 1972 ist ihr Mann gestorben. Seitdem wohnt
die 83-jährige Frau aus Bottrop bei ihren Angehörigen in Mülheim.
Aber ein Tag kann lang sein, wenn man keine richtige Aufgabe hat. "Ich
war oft alleine", erzählt Retweiler. Seit einiger Zeit geht sie
zu den Seniorentreffen, die der Plegedienst "Pflege zu Hause" seit
zehn Jahren in Heißen organisiert.
Bis zu 16 ältere Menschen treffen sich einmal in der Woche zum Mittagessen in der ehemaligen Altentagesstätte, Sunderplatz 2. Begleitet werden sie von zwei hauptamtlichen Mitarbeitern, die von Martin Behmenburg, dem Geschäftsführer des Pflegedienstes, gestellt werden und mehreren Ehrenamtlern. Dabei geht es nicht nur darum, mit Menschen im gleichen Alter Kaffee zu trinken. Denksport und Bewegungsübungen stehen auf dem Programm. Dabei gehen die Mitarbeiter auf die individuellen Bedürfnisse der Senioren ein. Das Projekt ist so erfolgreich, dass der Pflegedienst in Zusammenarbeit mit dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) und der Stadt einen ähnlichen Treff im Schloss Styrum einrichten will. Im Rahmen der internationalen Gemeinschaftsinitiative "Equal" sollen bis Ende 2007 in Heißen, Styrum, Speldorf und Broich wohnortnahe Dienstleistungen für Senioren geschaffen werde.
Im Schloss Styrum beginnt das Projekt am Donnerstag, 7. Dezember, um 10.30 Uhr erst einmal in einer kleinen Gruppe. "Es ist sehr schwierig, an diese Menschen heran zu kommen", sagt Martin Behmenburg. "Viele leben in Isolation, haben keine richtige Tagesstruktur mehr." Im Laufe der Zeit sei die Gruppe in Heißen aber immer größer geworden. Mittlerweile gebe es sogar eine Warteliste. "Wird die Teilnehmerzahl zu groß, können wir nicht mehr auf den Einzelnen eingehen", erklärt Dr. Jörg Ernst, Projektleiter beim CBE.
Die Menschen, die regelmäßig an den Treffen teilnehmen, haben inzwischen ein eigenes Netzwerk aufgebaut. Sie besuchen sich gegenseitig, wenn es einem von ihnen schlecht geht, konnten auch im Alter noch einen neuen Freundeskreis aufbauen. "Ich würde es jedem empfehlen", sagt Toni Retweiler. "Alleine zu Hause, da grübelt man ja viel zu viel." Tel: 970 68 11. Das CBE vermittelt unter anderem Freiwillige an passende Hilfseinrichtungen. Außerdem entwickelt das CBE eigene Projekte. Dabei werden Akteure aus Wirtschaft, Stadt und Gemeinwesen zusammengebracht werden.
30.11.2006